Magdeburg 2025 – Historische Wurzeln und digitale Zukunftsaussichten für eine Region im strukturellen Wandel
In der Woche vom 13. – 17. Oktober 2025 führte der Freundeskreis seine diesjährige politisch-kulturelle Bildungswoche diesmal in Magdeburg und Umgebung durch. Es war nach Dresden, Leipzig, Berlin, Prag, Wien, Straßburg, Nürnberg, München, Weimar die bereits zehnte. Bildungsreise, die der Freundeskreis mit der Karl-Theodor-Molinari-Stiftung bzw. mit dem Bildungswerk des Deutschen Bundeswehr Verbandes veranstaltete.
Unser Seminarleiter, Dr. Michael Rudloff, väterlicherseits aus Magdeburg stammend, hatte in enger Absprache mit dem Freundeskreis ein ausgezeichnetes Programm erstellt, welches uns Magdeburg und Umgebung mit seinen Sehenswürdigkeiten, seiner über 1200-jährigen Geschichte und seiner daraus erwachsenen Kultur erleben ließ.
Mit der Stadt Magdeburg ist vor allem ein Name verbunden: Otto. Angefangen mit Otto I. dem Großen, der hier im 10. Jahrhundert das Erzbistum Magdeburg ins Leben rief, über Otto von Guericke, berühmt als Begründer der Vakuumtechnik, ist dieser Name auf Engste mit der Stadtgeschichte Magdeburgs verbunden. Darüber hinaus brilliert die Stadt mit weiteren reichen Kulturdenkmälern wie dem Dom, Kirchen unterschiedlicher Epochen, dem Hundertwasserhaus (Grüne Zitadelle von Magdeburg), Überresten alter Festungsanlagen und Zeugnissen der Architektur der Moderne. Der Kulturgeschichte der Stadt, aber auch des Umlandes widmete sich dieses Seminar im Besonderen.
Gleichzeitig beschäftigte sich das Seminar mit der Geschichte Sachsen-Anhalts auf der Suche nach seiner Identität. Nach einer kurzen Existenz zwischen 1945 und 1952 wurde es in seiner heutigen Verfassung vor 35 Jahren „am Schreibtisch“ aus den ehemaligen DDR-Bezirken Halle und Magdeburg als „Patchwork-Bundesland“ zusammengefügt. Kann so eine gemeinsame Identität gefunden werden? Wie wurde der Strukturbruch nach dem Ende der DDR bewältigt? Welche Konzepte entwickelt das Land angesichts des aktuellen Strukturwandels, der wirtschaftlichen Transformation und des Abschieds von der Braunkohle? All diesen Fragen versuchte das Seminar eine Antwort zu geben.
Die Mehrheit der Seminarteilnehmer hatte bereits an einer oder mehreren Bildungsreisen des Freundeskreises teilgenommen. Man kannte sich und die „Neuen“ wurden schnell integriert. Die Grundstimmung war trotz eines fordernden Programms stets positiv und das herbstliche, wenn auch zum Teil kalte Wetter spielte insbesondere bei den Außenterminen mit.
Montag, 13. Oktober 2025 – Schwerpunkt: Magdeburger Dom
Nach der Begrüßung durch BrigGen a.D. Alois Bach und den Seminarleiter, Dr. Michael Rudloff (DBwV), im Intercity-Hotel Magdeburg, wurde mit einer kurzfristigen Programmänderung begonnen: es ging zunächst zum Magdeburger Dom, da dieser am ursprünglich geplanten Freitag wegen der Vorbereitung einer Großveranstaltung kurzfristig geschlossen wurde. Ein historisch wuchtiger Auftakt, ist doch der Magdeburger Dom auf dem Domfelsen seit Jahrhunderten das Wahrzeichen Magdeburgs. Zu Fuß ging es an einem der neueren Wahrzeichen Magdeburgs, dem Hundertwasserhaus, vorbei.
Der Referent, Dr. Bernhard Mai, führte mit seinen 85 Jahren unermüdlich durch den Dom und erläuterte Magdeburg als eine der bedeutendsten deutsche Städte im 12.-13 Jhd., die sogar als viertes Rom galt (neben Rom, Konstantinopel und Aachen).
Nach dem beeindruckenden doppelstöckigen Kreuzgang, des – nach dem Brand von 1207 – von 1209 bis 1362 in der vorliegenden Form neu aufgebauten Dom, betraten wir das eindrucksvolle Kirchengebäude. Dieser beeindruckte durch den weißen Sandstein und die Marmorsäulen aus dem antiken Italien, die dort abgebaut und im Dom erneut Verwendung fanden. Trotz seiner
Gesamthöhe von 43m und einer Innenhöhe von 32m – (bei einer Länge von 120m und 108m Breite) kommt der frühgotische Dom gänzlich ohne seitliche Stützen und Streben aus.
Die hochmittelalterlichen Holzfiguren beeindruckten ebenso, wie die wiederkehrenden Heiligenfiguren des Hl. Mauritius und der Hl. Katharina – die Namensgeber der ersten gotisch konzipierten Kathedrale auf deutschem Boden. Weltberühmt sind ebenso die Skulptur des Herrscherpaares von 1240 sowie die törichten (weinenden) und klugen (lächelnden) Jungfrauen im Vorraum des Paradieses.
Den Tag beschlossen wir nach Straßenbahnfahrt und längerem Fußmarsch (oder Taxifahrt) mit einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant Daniel’s mit Blick auf die Elbe.
Dienstag, 14. Oktober 2025 – Schwerpunkte: Geschichte Magdeburgs und Stadtrundfahrt
Prof. Dr. M. Tullner gilt als bedeutendster Historiker der sachsen-anhaltinischen Landesgeschichtsforschung und wurde 2010 mit dem Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalts ausgezeichnet. Er erläuterte in der 1279 erstmals urkundlichen Erwähnung der Lukasklause, deren Turm jahrhundertelang die nördlichsten Befestigung Magdeburgs war, die Geschichte Magdeburgs. Von der Gründung 805 bis zur Vernichtung im dreißigjährigen Krieg am 10. Mai 1631 („magdeburgisieren“) – war Magdeburg einer der bedeutendsten Städte im „Heiligen Römischen Reich Deutscher
Nation“. Nach dem Angriff der kaiserlichen Truppen unter General Tilly lebten von den 30.000
Einwohnern gerade noch knapp 480 in der Stadt.
Der Lukasturm erlebte die wechselhafte, mitunter stürmische und kriegerische Magdeburger Geschichte mit. Diese erzählte Prof. Tullner anhand Magdeburger Persönlichkeiten: von Kaiser Otto dem Großen (*912, +946, König 936, Kaiser 962) über den Oberbürgermeister (OB) Otto von Guericke (*1602 + 1682), die weltgeschichtliche Bedeutung in der Reformation, die spätere Zugehörigkeit zu Preußen (1680 bis 1918, mit Unterbrechung in napoleonischer Zeit) bis zum OB Ernst Reuter (1931-1933), dem späteren Regierenden OB West-Berlins.
Im Otto-von-Guericke Museum wurden verschiedene Versuche demonstriert. Die Seminarteilnehmer wurden dabei praktisch eingebunden. Ein Ziehversuch im Garten des Museums mit den Seminarteilnehmern zeigte eindrücklich die Haltekraft der umgebenden Atmosphäre auf die vakuumierten (Magdeburger) Halbkugeln. Guericke war Begründer der Vakuumtechnik, gilt aber auch als Vater der Elektrostatik. Seine Experimente stellte er in den Dienst seiner Heimatstadt.
Nach einer mittäglichen Stärkung in den Wenzel Prager Bierstuben machte uns Dr. Bernhard Mai in einer thematischen Stadtführung mit den Besonderheiten Magdeburgs vertraut. Er, der sein gesamtes Berufsleben als Stadtplaner in Magdeburg verbracht hatte, führte uns in einer Stadtrundfahrt über das BuGa-Gelände der ehemaligen Kasernen Preußens und der Sowjetarmee, mit Halten in den Elbauen am Herrenkrug, sowie im Wissenschaftshafen – den wir am Donnerstag noch ausführlich kennen lernen sollten.
Auch die Magdeburger Architekturgeschichte wurde in der „Beims-Siedlung“ (1924-32) gezeigt, als eine der ersten und größten Sozialbausiedlung und der Moderne in Deutschland (Architekt: Bruno Taut). Wir durchfuhren mit dem Bus in der bunten Stadt die Otto Richter Straße, die sich nach dem Motto der 1920-Jahre „Farbe ist Lebensfreude“ noch heute grell und bunt präsentiert. Die Architekturgeschichte in Magdeburg zeigt sich offen. Sie hat letztendlich mit dem Hundertwasserhaus in der Innenstadt einen weiteren Höhepunkt zu bieten.
Mittwoch, 15. Oktober 2025- Schwerpunkte: Schloss Wernigerode, historisches Stadtzentrum
Prof. Dr. Breitenborn, ein renommierter Historiker, war ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter im Feudalmuseum der DDR in Wernigerode und ab 1973, Stv. Direktor „Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt“ sowie Lehrbeauftragter des Instituts für Geschichte der „Otto-von-Guericke Universität“. Er ist Träger des Bundesverdienstordens am Bande (1996) und des Verdienstordens das Landes Sachsen-Anhalt (2022). So lebte er quasi als Zeitzeuge von 1973-1992 an seinem
Arbeitsplatz im Torhaus des Schlosses Wernigerode. Er führte durch das Schloss Wernigerode und nutzte historische Aufnahmen seiner Broschüre „Restaurierte Kunstwerke im Schloss Wernigerode“ aus dem Jahr 1995. Jedem Seminarteilnehmer übergab er eines seiner letzten Druck-Exemplare.
Das Schloss war Jahrhunderte lang Stammresidenz derer von Stolberg. Ein Nachkomme, Fürst Otto von Stolberg-Wernigerode, war Stellvertreter Bismarcks und damit zum stellvertretenden Reichskanzler unter Kaiser Wilhelm I. aufgestiegen. Bereits als 28-Jähriger, damals noch Graf, ließ er das Schloss Wernigerode im Historismus-Stil zum heutigen Erscheinungsbild umbauen. Ab 1930 wurde das Schloss als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute wie damals ist das Schloss ein beliebtes Ausflugsziel.
Prof. Dr. Breitenborn war als Mitglied des Landtages (Schriftführer) bei der Gründung des jungen Staates Sachsen-Anhalts zur Wiedervereinigung 1990 beteiligt. Als 1994 die FDP nicht mehr gewählt wurde, wurde er als Stv. Direktor der Stiftung „Burgen und Schlösser Sachsen-Anhalts“ (heute: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt) bestellt. Auch bei der Rückgabe von 15.000 der insgesamt 30.000 verschwundenen Exponaten des Schlosses (von denen 7.000 an den Fürsten zurückgegeben wurden und z.T. als Dauerleihgaben im Schloss zu sehen sind) war er maßgeblich beteiligt.
Er beantwortete als Zeitzeuge interessante und auch kritische Fragen zur Wiedervereinigung („1990 wurde die West-Unterstützung in Verwaltung, Wirtschaft und Politik als Hilfe empfunden“). Auch gab er „delikate“ Geschichten preis: So schilderte er einen historischen Beitrag im DDR-Fernsehen (1973) zur Vorführung eines historischen Keuschheitsgürtels durch die Schauspielerin „Maya“. Auf die Frage, ob dies nicht ein wenig heikel war, antwortete er: „Was soll ich sagen, ich war damals 25 Jahre alt“. Bei der anschließenden Schlossführung gab er weitere interessante Details und Anekdoten zum Besten. Die abschließende Einkehr in das Schlossrestaurant „Zum Büchsenmacher“ war wohltuend.
Anschließend blieb noch ein wenig Zeit durch die Stadt Wernigerode spazieren zu gehen, am kleinsten Haus (2,91 m breit auf zwei Stockwerken mit zeitweise elf Bewohnern) vorbei, ebenso wie am schiefen Haus sowie am „Neubau“ des Rathauses aus dem 15 Jhd. Auch die Fachwerkhäuser der „Neustadt“, die schon 1229 gegründet und 1529 zu einer Stadt zusammengelegt wurde, beeindruckten. Einige Seminarteilnehmende kauften süße Verführungen im Spezialitätenhaus „art chocolate“, andere erwarben ein Eis beim Europameister Tiziano Santin, dem Besitzer des Eiscafés „Venezia“.
Nach der Rückkehr haben noch elf Seminarteilnehmer im politisch-satirischen Kabarett „Zwickmühle“ einen sehr geistreichen und humorvollen Abend genossen. Es war die Vor-Première zum Stück „Da sind wir aber immer noch“. Gefeiert wurden 30 Jahre Bestehen dieses Kabaretts. Die Bühnen-Darsteller hatten sich bereits schon vor und auch nach der Aufführung freundlich unter das Publikum gemischt und am Ende auch Fragen beantwortet.
Donnerstag, 16. Oktober 2025 – Schwerpunkte: Aktuelle Politik, Wissenschaftsstandort
In der Staatskanzlei, mit der Aufgabe befasst, die politischen Richtlinien der Landesregierung umzusetzen sowie die Kabinettssitzungen, die Regierungs- und Verwaltungsarbeit zu koordinieren, wurden wir durch Herrn Peter Voigt aus dem Referat Strukturwandel empfangen. Der Staatssekretär für Strukturwandel in Sachsen-Anhalt, Dr. Jürgen Ude, konnte aus Termingründen nicht persönlich erscheinen, ließ uns aber in der Staatskanzlei grüßen.
Herr Voigt trug zum Thema: „Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier Sachsen-Anhalt (S-AN)“ vor und beantwortete kompetent die zahlreichen Fragen der Seminarteilnehmer. Wir erfuhren:
Der Strukturwandel in S-AN bezeichnet im Schwerpunkt den Abbau und Rückbau des (Braun-) Kohlereviers und der Kohleverstromung. Die Kohlekommission von 2019/2020 sah 40 Mrd. € als Kompensation für Rück- und Umbau der Kohleverstromung bis 2034 vor. Für Sachsen-Anhalt sind 4 Mrd. € vorgesehen. Es sind 5.000 direkt Beschäftigte sowie weitere 15.600 Beschäftigte in energieintensiver Industrie wie die Chemie (BAYER) und Pharmaindustrie betroffen. Hierzu wird neben ökologischer Energiegewinnung (Windkraft, Solar und Biogas) auf neue Industrien wie Wasserstoff und Bioökonomie (nachwachsende Rohstoffe für neue Kunststoff- und Baumwollersatzstoffen) gesetzt.
Das Strukturentwicklungsprogramm 2024, im engen Austausch mit Nordspanien und Polen (bereits Erfahrungen mit Umbau von Kohlerevieren) entwickelt, ist ein Lösungsansatz. Der Spagat zwischen notwendigem Bürokratieabbau und Schnelligkeit versus Budgethoheit und Kontrolle des Steuergeld-Einsatzes muss dabei gelingen. Genannt wurden Merseburg und Delitzsch mit einem Großforschungsprogramm zur Weiterentwicklung der Chemie mit Schwerpunkt Revier- und Infrastrukturumbau, um im Wettbewerb mit den USA und China zu bestehen, aber weiterhin auch zur generationsübergreifenden Daseinsfürsorge und Betrachtung sozialer Knotenpunkte.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kommunikation mit den Bürgern a) über die Presse, b) mit den Bürgern (über Landräte, Bürgermeister, durch Bevölkerungsumfragen sowie c) durch Bürgerbeteiligung (dezentrale Budgethoheit der Bürgermeister). Auch das Bundesprogramm STARK (Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftstandorten), mit einem jährlichen Budget von insgesamt 1 Mio. € spielt eine Rolle. Es handelt sich um einen „Ideenwettbewerb Revierpioniere“ auf das sich seit 2023 Bildungsgruppen (Kita, Schulen, etc.) direkt bewerben können und bis zu 21.000 € pro Projekt einfach und ohne Bürokratiehürden erhalten können.
Im Anschluss folgte eine Führung durch den Landtag Sachsen-Anhalts, unweit der Staatskanzlei, unter Führung einer Vertreterin der Öffentlichkeitsarbeit, Frau Günzel. Die Besichtigung in der sitzungsfreien Woche gab u.a. Einblicke in den Plenarsaal, einen Fraktionsraum sowie eines Beispiels Kunst am Bau (erhaltenes Fenstermosaik noch aus der DDR-Zeit).
Nach dem Mittagessen in der Kantine des Landtages wurde in den Wissenschaftshafen der Otto-von-Guericke Uni Magdeburg in den Elbedome verlegt. Dort galt es, den Stand in der wissenschaftlichen Forschung in Augenschein zu nehmen.
Frau Katharina Pongratz führte durch das Programm und der Referent Dr. Markus Loichen von der Polizei Fachhochschule beleuchtete das Thema: „Smart-Region Sachsen-Anhalt in der Zeitenwende – Digitale Wissenschaftspraxis unter aktuellen Sicherheitslagen“ den Einsatz von KI als Ermittlungswerkzeug. Die ethischen Dilemmata wurden angesprochen.
Er erläuterte die strategischen Grundlagen der Zeitenwende unter den Aspekten der hybriden Kriegsführung, Desinformationskampagnen und fake-news als Bedrohung für gesellschaftliche
und staatliche Stabilität aller demokratischer Staaten. Weiterhin stellte er als Teil der Lösung das „Konzept Digital 30“ für ein neues einheitliches Verarbeitungssystem vor, das zur einheitlichen Kommunikation zwischen den Behörden und zur Verbesserung des Bürgerservices und der Bürgerkommunikation dient.
Außerdem trug er zum Drohneneinsatz der Polizei in Sachsen-Anhalt mit Drohnen und geschulten Luftfahrzeugführern und zu Unterschieden in den Bundesländern vor. Er schloss mit der aktuellen Ethikrat-Empfehlung: „Der Einsatz von KI muss menschliche Entfaltung erweitern und darf diese nicht vermindern. KI darf Menschen nicht ersetzen.“
Es folgte Prof Dr. Mohrfeld mit dem Thema: „Vom Schutzraum WfbM (Werkstätten für behinderte Menschen) zur Teilhabe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt – durch innovative Erwachsenenbildung in Sachsen-Anhalt und Unterstützung durch das Kompetenzzentrum in Magdeburg“. Äußerst engagiert zeigte er die rechtlichen Grundlagen und auch den Einsatz von KI als Teil der Lösungen auf, um einstellungs- und umweltbedingte Barrieren für behinderte Menschen abzuschaffen. Oberstes Ziel bleibt eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Von den 8 Mio. schwerbehinderten Menschen könnten 1 Mio auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden. Rund 175.000 sind Arbeitsplatzsuchende.
Im Anschluss ging es als technisches Highlight in den Elbedome. Der Elbedome ist ein 360-Grad Mixed-Reality-Labor des Fraunhofer Instituts MD – mit 16 Metern Durchmesser und 4 Metern Höhe eines der weltweit größten Labore dieser Art. Unternehmen werden unterstützt, um den Schritt in die moderne, digitale, vernetzte und smarte Arbeitswelt zu vollziehen. Mittels VR-Brillen werden dreidimensionale Räume als Abbild einer realen Welt, z.B. Fabrikation (Fertigungsstraßen) geschaffen. In diesen Räumen können virtuell Dinge an allen abgebildeten real existierenden Umgebungen oder auch fiktiven 3D – Realitäten bewegt, z.B. eingebaut bzw. geprüft werden. So könne z.B. gefahrlos mit medizinischen Invasiv-eingriffen experimentiert und ausgebildet werden.
Über Firmen und Nutzer durfte nicht kommuniziert werden, es durften auch keine Aufnahmen gemacht werden. Der Elbedome ist ein technisch führendes Forschungsprojekt, dass bereits in der Umsetzung erprobt ist und für die es bereits weltweit Kauf-Interessenten gibt. Auch auf die Möglichkeiten der Nutzung zur Erforschung von Themen und Fragestellungen in der Inklusion wird dieser Elbedome bereits genutzt. Ein beeindruckendes Erlebnis, bei welchem dem einen oder anderen Seminarteilnehmer der Gleichgewichtssinn einen Strich durch eigene Bewegungsabläufe machte. Man befand sich in einer Welt, in der real wirkende Wände virtuell kein Hindernis mehr waren, als auch reale Wände nicht mehr (sichtbar) vorhanden waren.
Freitag, 17. Oktober 2025 – Schwerpunkte: Zukunft der Otto-von Guericke Universität und Geschichte des Deutschen Bundeswehr Verbandes
Am letzten Tag begrüßte uns Prof. Dr. Jens Strackeljahn, seit 15 Jahren Rektor der Otto von Guericke Universität Magdeburg. Er musste den Begrüßungstermin am Montag kurzfristig absagen, wollte es sich jedoch nicht nehmen lassen, die Seminarteilnehmenden persönlich zu begrüßen und einen kurzen Überblick über die aktuellen Herausforderungen der Forschung zu geben. Historisch entstand die Universität aus der Zusammenlegung aus der Technischen Universität Magdeburgs, der Medizinischen und Pädagogischen Hochschule.
Prof. Dr. Strackeljahn ging auf die Schwerpunktprojekte der Otto-von Guericke Universität Magdeburg ein: eines seiner aktuellen Themen ist Führung und Management (vgl. mil. +command) und die Nutzung von KI. KI wird hier weiterhin im medizinischen (einschl. der Inklusion), wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Bereichen entwickelt.
Die Universität ist weltweit führend in der Technik der CT-Röhren, bei denen ein Magnetfeld mit 2,5 Tesla die Norm ist. Hier wurde ein 7 Tesla starkes CT-Gerät entwickelt, von denen es weltweit nur zwei gibt, eines davon steht in Magdeburg.
Derzeit werden im Schwerpunkt die klassischen MINT-Studiengänge angeboten, die bei deutschen Studierenden nicht besonders nachgefragt sind. Dies führt zu einem hohen Ausländeranteil, insbesondere sind 2.000 indische Studierende eingeschrieben. Diese bleiben fünf bis neun Jahre in Sachsen-Anhalt, ein Gewinn für die Forschung und die Ökonomie (eine Studie hat her-
ausgefunden, dass eine Wertschöpfung in Höhe von ca. 30 Mrd. € durch Start-ups und Firmengründungen in Sachsen-Anhalt erzielt wird). Wie dies nach einer möglichen veränderten politischen Realität nach den Wahlen 2026 aussehen wird, bleibt abzuwarten.
Der Universität stehen 115 Mio. € durch das Land S-AN jährlich zur Verfügung. Ein schwerer Schlag war der Rückzug der Firma INTEL, die sich mit zwei bis acht Fabriken in MD ansiedeln wollte. Dabei war ein Forschungsvolumen von 200 Mio. € vorgesehen, die nun schmerzlich fehlen.
Es folgt daher nun eine Konzentration auf neue Zusammenarbeit mit Firmen, insbesondere mit den Technologien und Forschungen im Wissenschaftshafen, u.a. mit einem neuen Hochleistungs-Rechenzentrum, das mit einer 500 MegW Solarfreifläche innovativ mit Strom versorgt wird, weiterhin mit einem Ausbau der Wasserstoffforschung und der KI-Forschung.
Eine Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen in einem KI-Lernzentrum, die auf diesem Gebiet führend sind, ebenso angestrebt, wie eine zukünftige Zusammenarbeit mit europäischen Rüstungsfirmen. Hier stellt sich die Frage für alle Universitäten in Deutschland, welcher Weg mit Rüstungsfirmen, hinsichtlich einer bislang nur zögerlich bis ablehnenden Zusammenarbeit gegangen werden soll. Hier befindet sich Einiges im Umbruch, die Universität Magdeburg ist offen. Andere Universitäten weigern sich immer noch (z.B. Universität im Ruhrgebiet). Die Forschungsanträge mit der Bundeswehr und der European Defence Group sind attraktiv und werden durch die Otto-von-Guericke Universität Magdeburg progressiv angegangen. Die Universitäten könnten diese Themen nicht mehr ignorieren – die hierfür notwendigen Voraussetzungen müssten durch das Land und den Landtag für das Forschungsamt geschaffen werden.
Den Schlusspunkt bildete der Deutsche Bundeswehr Verband, dessen Gründungstag sich 2026 zum 70sten Male jährt. Dr. Michael Rudloff, trug zur Entstehungsgeschichte des DBwV vor: „Vom Selbsthilfeverein zum anerkannten Spitzenverband der Menschen in der Bundeswehr“.
Dr. Rudloff ging auf dem Beginn des DBwV ein, der durch Unterstützung der Hinterbliebenen eines tödlich verunglückten StFw im Jahre 1957 zurückging, welche keinerlei Ansprüche erhielten, da der damalige StFw seine Urkunde noch nicht unterschrieben hatte und der Unfall sich nach Dienstschluss ereignete. Auch ging er auf die langjährigen Vorurteile, der DBwV wäre eine Gewerkschaft ein und entkräftete diese argumentativ. Letztendlich zeigte er Vorläuferorganisationen auf, die es sowohl schon in der Reichswehr und nach dem II. Weltkrieg im Bundesgrenzschutz gab. In der Anfangszeit des DBwV machten sich insbesondere 12 ehrenamtliche „Verbandsmissionare“ in ihrer Freizeit und unter Einsatz ihres Urlaubs um die Vorstellung des neuen Verbands und die Werbung von Mitgliedern in allen Standorten der jungen Bundeswehr verdient.
BrigGen a.D. Bach schloss mit einem positiven Feedback das Seminar und stellte fest, dass die Zielsetzung der Bildungswoche, das politisch-kulturelle Wissen der Teilnehmenden zu erweitern, voll erreicht sei. Anreize für Folgebesuche seien gesetzt. Er dankte Dr. Rudloff als einem der besonders engagierten Mitarbeiter des DBwV für seine professionelle, umsichtige und stets freundliche Leitung und überreichte als Dank ein Buch seiner Wahl mit historischem Bezug.
von Ralf Kimmerle, Harry Burkhardt und Alois Bach

